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Garnmengenberechnung

Ulrike Bogdan, März 2006

Die Menge der Rohwolle, die man für einen Pullover benötigt ist schwer zu berechnen und man kommt nur über den Umweg der Lauflänge dorthin. Also erst einmal so 100 g verspinnen (für einen Pullover) und dann schauen, wieviel Lauflänge du daraus bekommst und danach weißt du in etwa wieviel Wolle du insgesamt verspinnen werden musst *s* Im Folgenden habe ich mal eine kleine Abhandlung zu diesem Thema zusammengeschrieben ;o)

Mit der so genannten Lauflänge der Wolle verhält es sich so: je dünner der Faden, desto mehr Faden kannst du aus derselben Menge Wolle spinnen. Das bedeutet, wenn du Wolle hast, aus der sich ein gaaanz dünner Faden auspinnen läßt, kommst du mit dieser Wolle natürlich weiter als mit Wolle, die man am besten etwas dicker spinnt. Aber prinzipiell ist die Fadendicke eher von der Spinnkunst der Spinnerin abhängig als von der Wolle. ;o)

Wieviel du für ein bestimmtes Strickstück brauchen wirst ist daher eher abhängig von dem Faden und dessen Dicke und Länge als von der Wollart. Das Verhältnis von Fadenlänge zu Gewicht (eines Knäuel) nennt sich Lauflänge. Wenn du mal auf ein fertiges Knäuel schaust, dann steht auf der Banderole normalerweise so etwas wie: LL 462 m oder Lauflänge 333 m. Das bedeutet dann, dass sich auf diesem XGramm schweren Knäuel soundsoviele Meter Garn befinden. Das kannst du auch bei dir Zuhause messen, indem du dein gesponnenes Garn nicht gleich auf ein Knäuel wickelst, sondern erst einmal um ein dickes Buch herum, am besten über die lange Seite. ("Profis" nehmen dafür eine Haspel oder Englisch: Niddy-Noddy *g* aber ein Buch erfüllt denselben Zweck).

Dann misst du auf der Vorderseite wie lang das Buch ist und zwar musst du dabei _einmal_ die Seitendicke des Buches mitmessen. Dann wickelst du dein Garn um das Buch und wenn du fertig bist, zählst du die Anzahl der Fäden. Nun nimmst du die Anzahl der Fäden mal der doppelten Länge des Buches.

Als Beispiel: Dein Buch ist 23,5 cm lang und 2 cm dick. Das macht 25,5 cm. Mal 2 genommen bist du bei 51 cm. (Mal 2, weil man den Faden ja einmal ganz um das Buch wickelt bis man eine Umdrehung hat) Wenn du nun deinen Faden 58 mal um das Buch wickeln konntest, hast du eine Gesamtfadenlänge von: 51 cm x 58 = 2958 cm und das sind 29,58 m (gerundet 30 m). Nun kannst du deinen Faden abwickeln und das Knäuel (oder den Strang) wiegen. Am besten auf einer Feinwaage, weil eine solche Menge in der Regel recht wenig Gewicht hat. Dein Knäuel mit den knapp 30 m wiegt 8 g. Wenn du nun wissen willst, wieviel 100 g davon wiegen kannst du einen einfachen Dreisatz anwenden ;o)

100 : 8 = 12,5

12,5 x 30 = 375 m

Also die Menge, die man berechnen will (in unserm Fall die 100 g) teilst du durch die vorhandene Menge(hier: 8 g) und erhälst einen _Faktor_, den du mit der Fadenlänge multiplizierst (zur Vereinfachung habe ich aus 29,58 m einfach einmal 30 m gemacht). Und das Ergebnis besagt dann wieviel Fadenlänge (sprich: Lauflänge) du auf 100 g von dieser Art gesponnene Wolle kriegen kannst, nämlich in unserm Beispiel 375 m.

Nachdem das sowieso keine physikalisch genauen Mengen sind, kann man ein bisschen runden, das macht nichts. Wollgewicht verändert sich ja auch je nach Luftfeuchtigkeit und Wärme, weswegen auch das Gewicht mehr eine Näherung als eine exakte Zahl ist. Mit diesen nun errechneten 375 m/100 g kannst du dir in etwa vorstellen, wieviel du für ein paar Socken brauchen wirst. Bei dem gekauften Sockengarn geht man von etwa 420 m/100 g aus. Für ein Paar Socken von Gr. 39 brauchst du etwa 85 g. Also wirst du schätzungsweise von unserer Beispielwolle so um die 100g brauchen. *s* Eine wirkliche Berechnung der Garnmenge gibt es dabei nicht, sondern das sind Schätzungs- und Erfahrungswerte. Ich neige in der Regel bei der Garnmenge wie beim Essen kochen vorzugehen und hab immer ein bisschen zuviel ;o)

Sich nach dem Gewicht zu orientieren ist halt immer so eine Sache. Du erinnerst dich: das Gewicht von Wolle ist von der Temperatur und Luftfeuchtigkeit abhängig. Daher kann das Gewicht immer nur ein Schätzwert sein. Da Wolle bis zu 80% ihres Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen kann ohne sich nass anzufühlen (die Luftfeuchtigkeit aber selten so hoch ist und wenn, merkst du es schon), kann das Gewicht um bis zu 15% schwanken. Daher wird auf den gekauften Knäuel auch immer die Lauflänge des Fadens angegeben, weil die nicht variiert. Und diese Lauflänge kann man sich zu nutze machen bei der Berechnung der Garnmenge für ein größeres Projekt, wie einen Pullover. Die Idee kommt aus dem amerikanischen Raum und nennt sich Wraps per Inch (oder kurz: wpi).

Dass bedeutet: Wicklung pro Zoll/Inch. Ein inch sind 2,54 cm. Man nehme also ein Stückchen Rundholz und messe auf dem Rundholz 2,5 cm ab. Die markierst du großzügig, aber so, dass die 2,5 cm zwischen den beiden Markierungen erhalten bleiben. Nun nimmst du dein fertiges Garn und wickelst den Faden nicht zu fest und auch nicht zu locker um das Rundholz zwischen beiden Markierungen. Und zählst aus, wieviele Male der Faden um das Rundholz gewickelt wurde. Bei unserm obigen Beispielgarn sind das (z.B.) 7-10 wpi. Solch ein Garn wird man mit etwa NS 3,5-4,5 verstricken und für einen Frauen-Pullover der Gr 38/40 braucht man dann etwa 1500 m Garn.

Wenn dein handgesponnenes Garn nicht ganz so einheiltich ist, bietet es sich an, die Abmessung der wpi nicht über 1 inch, sondern über 2 oder bei ganz dickem Garn sogar über 3 inch zu machen. Dadurch erhält man einen guten Durchschnitt *s*

Aus den wpi allein kann man natürlich die benötigte Garnlänge nicht allein errechnen, dafür gibt es dann in vielen amerikanischen Strickbüchern Tabellen. Ich habe mal die entsprechende Tabelle aus Kntting the Old Way von Priscilla Gibson-Roberts abgetippt und in metrisch umgerechnet und unten angehängt. Neben den in der Tabelle vermerkten Variablen (wie andere Größe und Muster etc) kommt natürlich noch dazu, dass jede ein bisschen anders strickt (weswegen ja auch die MaPro in der Liste angegeben ist).

Eine Lauflängenberechnung für einen Pullover ist entweder eine etwas kompliziertere Angelegenheit oder man macht es mehr aus dem Bauch heraus. Auf alle Fälle kann man nur vage aus der Lauflänge die entsprechende Wollmenge in Gewicht errechnen, da wie gesagt, das Gewicht von Wolle sehr stark von Umwelteinflüssen abhängig ist. Wiege einfach mal eine bestimmte Menge Wolle an jedem einzelnen Tag einer Woche und du wirst merken, dass sie sich immer ein bisschen im Gewicht verändert *s*

Ähnlich verhält es sich übrigens beim Weben. Auch hier kann man die benötigte Garnmenge nach der Lauflänge berechnen. Die benötigte Länge für die Kette berechnet man nach: Endgröße des Stoffstückes plus 20% plus 50 cm mal der Anzahl der Fäden (berechnet aus der Gewebedichte Faden pro 10 cm auf die entsprechende Breite übertragen, sprich mal 4, 6 oder 8 je nachdem ob man einen 40 cm breiten oder 60 oder 80 cm breiten Webrahmen hat). Die benötigte Menge an Schuss kann man abschätzen. Mit einem Probestück von etwa 50 bis 10 cm Gewebe zählt man die Anzahl der Schussfäden und multipliziert die mit der Gewebebreite plus 10% und erhält so in etwa die benötigte Garnmenge in Lauflänge ;o)

Garnstärke in wpi MaPro

Maschen
auf 10 cm

  Empfohlene
Nadelstärke

Lauflänge für einen
Frauen-Pullover mit
Brustumfang 91-97
cm + 5 cm Spielraum

 18+ wpi auf 1" (lace weight)

  32+ M/10 cm

  NS 2-3

  1650-2000 m

 16 wpi auf 1" (fingering weight)

 24-32M/10 cm

 NS2,5-3,5

    1500-1800 m

 14 wpi auf 2" (sport weight)

 20-24M/10 cm

  NS 3,5-4,5

 1300-1500 m

 12 wpi auf 2" (worsted weight)

 18-20M/10 cm

 NS 5-6

 1100-1300 m

 10 wpi auf 3" (bulky)

 14-16M/10 cm

 NS 6,5-7,5

 800-1100 m

  8 oder weniger wpi auf 3" (verybulky)

 8-12M/10 cm

 NS 9-10

   700-900 m

 

Die Lauflänge ist für einen einfachen glatt rechts gestrickten Pullover. Je nach Größe der Person muss

Lauflänge hinzuaddiert werden oder abgezogen werden.

– Kind Brustumfang 63 cm oder weniger minus 30%

– Erwachsener XS Brustumfang 71-76 cm minus 20%

– Erwachsener S Brustumfang 81-86 cm minus 10%

– Erwachsener M Brustumfang 91-97 cm

– Erwachsener L Brustumfang 101-107cm plus 10%

– Erwachsener XL Brustumfang 111-116 cm plus 20%

Anpassungen für einen Pullover mit Muster:

– plus 10% für mehr Weite oder Länge

– minus 30% für eine ärmellose Weste (der Körper eines Pullover benötigt etwa 60-70% der

Gesamtgarnlänge)

– plus 10% für Zopfmuster oder andere plastische Muster mit viel Garnverbrauch (Patent)

– bis zu plus 50% für Einstrickmuster im Fair Isle-Stil (Hauptfarbe muss in der Menge entsprechend

reduziert werden)

Quelle: Knitting the Old Way. Priscilla Gibson-Roberts. Nomad Press. 1985, 2005

 

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